23.06.2015

Schwarzarbeit bei Hartz IV bekämpfen - die einfache Lösung

Ein Kommentar von M. Theuner

Schwarzarbeit bei Hartz-VI-Bezug ist ein immer stärker werdendes Problem, wie die steigenden Verfahrensfälle zeigen. Dabei ist die Lösung des Problems so einfach, effektiv und sinvoll.

2014 gab es über 40.000 Verfahren wegen Schwarzarbeit bei Hartz-IV-Beziehern. (Quelle: Handelsblatt vom 23.05.2015 unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht der Bundesagentur für Arbeit (BA)). Die tatsächliche Zahl der Hartz-IV-Schwarzarbeiter ist weitaus höher, über die Dunkelziffer gibt es aber offiziell keine verlässlichen Daten.

Das ist auch schwierig: Ein Hartz-4-Aufstocker bezieht dank Arbeitseinkommen zum Beispiel nur noch 200 € ALG2, und verdient dann noch 2-3  Mal im Monat durch Arbeit bei Bekannten insgesamt 150 € schwarz dazu. Ein Anderer hat offiziell keiner Arbeit, geht aber 40 Stunden in der Woche schwarz arbeiten.
Soll man beide Hartz-4-Bezieher in einen Topf werfen?
Schätzungen verschiedener Quellen gehen von einer Quote von 20% der Bedarfsgemeinschaften aus, in Großstädten. Das wäre jede 4.  Hartz-4-Bedarfsgemeinschaft!
Für einige Bezirke von Berlin wurde von einer Zeitung unlängst sogar eine Quote von über 50% ermittelt.
Welch ein enormer Schaden, wie sinnvoll könnte man diese unberechtigt bezogenen Leistungen für die wirklich Arbeitssuchenden einsetzen!

Wie fast immer gibt es eine einfache Lösung für das Problem, doch wie immer ist diese Lösung politisch nicht durchsetzbar!

Es gibt drei Gruppen von arbeitsfähigen Hartz-4-Bezieher:
Die erste Gruppe sind die tatsächlich Arbeitswilligen, die sich redlich, aber leider vergeblich darum bemühen, Arbeit zu bekommen.
Die zweite Gruppe sind die Menschen, die sich mit ihrer Arbeitslosigkeit abgefunden haben, aber nicht schwarz arbeiten. Sie sind resigniert von ständigen Bewerbungsablehnungen und haben ihren Lebensstandard auf das Hartz4-Niveau heruntergeschraubt.
Die dritte Gruppe sind dann Diejenigen, die die ALG2-Leistungen als finanziellen Grundstock nehmen und diesen durch Schwarzarbeit vergrößern.

Das ist zwar erstmal nur die halbe Wahrheit, denn es gibt ja auch noch die Aufstocker. Aber auch diese lassen sich entsprechend auf die drei Gruppen aufteilen.

Die - schon lange bekannte - Lösung ist nun, diese Menschen 4 Tage = 32 h in der Woche in eine staatlich organisierte Beschäftigung zu bringen. In dieser Beschäftigung werden die Menschen Bewerbungen schreiben, sich auf den Arbeitsalltag vorbereiten, sie werden Coachings unterzogen, können sich Qualifikationen aneignen und im Idealfall arbeiten.

Was ist dann mit dem beliebten Trick, offiziell einen niedrig bezahlten Job, z.B. einen Minijob, auszuüben, dann aufzustocken, tatsächlich
aber für sehr viel mehr Geld schwarz zu arbeiten.
Dank Mindestlohn funktioniert er dann auch nicht mehr. 450 € sind bei 8,50 € pro Stunde eben nur circa 12 Stunden pro Woche.
Fehlen noch 30 h in der Woche, die in der organisierten Beschäftigung abzuleisten sind.

Tatsächlich ist dieses Konzept die Lösung für das Schwarzarbeits-Problem bei Hartz4-Bezug.
Für die erste Gruppe, die Arbeitswilligen, ist es die willkommene Chance und sie werden sie gern ergreifen.
Die zweite Gruppe, die Resignierten, erhält ist es Hilfe zur Selbsthilfe und damit zielführend.
Die dritte Gruppe dagegen wird sich entscheiden müssen, Hartz-4 oder legale Arbeit. Wie sie sich auch immer entscheiden, im Mittel
 * werden Hartz-4-Leistungen eingespart durch Ausscheiden aus dem Hartz4-System
 * Steuer- und Sozialabgaben steigen durch Legalisierung der Arbeit
 * Arbeitsplätze werden frei durch Aufgabe der Schwarzarbeit

Die freiwerdenden Mittel werden nun effektiv eingesetzt: Für die Organisation der Beschäftigung, was wiederum Arbeitsplätze schafft.
In erster Linie aber für eine Zusatzleistung an die Arbeitslosen, um den erhöhten Aufwand zu kompensieren und nicht zuletzt die Motivation zu erhöhen. Und für aufstockende Leistungen der bereits Beschäftigten im Niedriglohnsektor.