Frieren für die Freiheit? Für welche Freiheit und für wessen Freiheit?

Ex-Bundespräsident Gauck dozierte am 09.03.2022 in der Sendung "Maischberger. Die Woche" über Notwendigkeiten.
Über die Notwendigkeit, den ohnehin schon gigantischen Sanktionsdruck auf Russland noch weiter zu erhöhen.
Und über die Notwendigkeit für die Bürger in Deutschland, sich weiter einzuschränken.
 
"Wir haben eine Menge von Möglichkeiten, Flagge zu zeigen. Wir können auch einmal ein paar Jahre lang ertragen, dass wir weniger Lebensglück und Lebensfreude haben. Wir können auch einmal frieren für die Freiheit."
(Gauck in der Sendung "maischberger. die woche" vom 9. März 2022 auf ARD)
 
Welche Freiheit meint der Ex-Bundespräsident? Und Freiheit für wen?
 
Meint er die Freiheit für die große Anzahl Werktätiger, unter dem Joch globaler Konzerne für einen Mindestlohn oder knapp darüber schuften zu dürfen?
Schuften für Konzerne, die kaum oder keine Steuern zahlen, die massiv Politiker beeinflussen, ganze Regierungen kaufen, die Ressourcen fremder Länder plündern?
Meint er die Freiheit für die Geringverdiener, für die Arbeitslosen, für die Abgehängten.
Freiheit für die, die jeden Morgen frierend am Bahnhof auf überfüllte und verspätete Verkehrsmittel warten?
Freiheit für die, die aufgrund der Unfähigkeit oder des Unwillens der herrschenden Politiker, Wohnraum zu schaffen, sich in überteuerten Wohnungen jeden Monat auf's neue den Kopf zerbrechen müssen, wie sie die nächste Miete zusammen kratzen.
 
Meint er, diese Leute haben nun die Pflicht, auch noch frieren?
 
Frieren, und für wen?
 
Wie wäre es, wenn die Rüstungskonzerne, die bereits zuvor Unmengen an Rüstungsgütern in das Krisengebiet gepumpt und daran verdient hatten, deren Börsenkurse explodiert sind, eine Art Kriegssteuer zahlen dürfen.
Wie wäre es, wenn die multinationalen Öl-, Gaskonzerne und Bergbaukonzerne in Übersee, die nun Deutschland beliefern werden, etwas für ihre eigene Freiheit tun und die Preise für die Deutschen senken?
Jene westlichen Konzerne, deren Aktionäre schon danach lechzen, endlich die Bohrtürme in heiligen sibirischen Boden rammen zu können.
 
Fakt ist:
Es stand noch kein russischer Panzer in Reichweite der ukrainischen Grenze, da waren die rapide steigenden Strom-, Öl- und Gaspreise bereits neben Corona das wichtigste Thema.
Man erinnere sich nur: Energieanbieter, die plötzlich Verträge kündigten. Strom- und Gaskonzerne, die keine Neukunden mehr aufnahmen.
Eine alle Ersparnisse und Lebensversicherungen auffressende Inflation war bereits seit Langem Realität.
Und unter der Agenda des Klimaschutzes begann man, die Bevölkerung auf steigende Energiepreise einzustimmen.
 
Und jetzt, jetzt hat man endlich einen neuen Sündenbock.
 
Politikerinnen und Politiker haben das Recht und auch die Pflicht, Kriege zu verurteilen und Angriffsstaaten anzuprangern.
Sie haben das Recht und auch die Pflicht, Hilfe der im Kriege notleidenden Bevölkerung auf den Weg zu bringen.
Sie müssen alles versuchen, Kriege am Verhandlungstisch zu beenden, irgendwie, auch mit Zugeständnissen, aber ohne Polemik, ohne Hetze.
 
Sie haben aber auch die Pflicht, die tieferen Ursachen des Krieges zu analysieren und objektiv zu benennen. Und diese Ursachen liegen klar auf der Hand.
Es ist der Westen, es ist die NATO; es ist der Westen, der über Jahre hinweg einen immer engeren Ring von Bedrohungen rund um Russland gezogen haben.
Die russische Öffnungspolitik unter Gorbatschow war nicht der Beginn der Auflösung aller militärischen Konfrontationen
Es war der Beginn der großen Rollback-Politik der USA und ihrer Verbündeten gegen Russland.
Diese Lektion hat der russische Präsident begriffen.
Man kann den Westen nicht umarmen. Denn er wird einen sonst erdrücken.
Das sind die Ursachen.
 
Man hat nun das Recht, den Krieg zu verdammen.
Es gibt eine Pflicht, Kriegsverbrechen (auf beiden Seiten bitte!) zu verfolgen.
Aber man hat kein Recht, vom Gipfel einer materiellen Vollversicherung herab Menschen zum Opferbringen zu verpflichten.
 
Der Ex-Präsident Gauck und jeder andere sollte wissen: Es gibt in Deutschland eine große Anzahl schweigender Menschen.
Auch Menschen mit einst klarem Standpunkt, die nun auf das Tiefste verunsichert sind.
Aber ebenso Menschen, die Immunität entwickelt haben gegen die tägliche Desinformationspolitik der Medien.
Menschen, die aus Respekt vor dem unsagbaren Leid der Zivilisten in der Ukraine derzeit schweigen.
Aber Menschen, die sehr wohl die tieferliegenden Ursachen des Konfliktes verstehen und begreifen.
 
Menschen, die wissen, dass Sanktionen nicht Teil der Lösung, sondern Teil und Ursache des Problems sind.
 
Während des völkerrechtswidrigen Krieges der USA und ihrer "Willigen" 2003 gegen den Irak konnten sich Reisenden weiterhin in Maschinen von Delta und United Airlines setzen.
Es gab keine Sanktionen, kein Embargo. Nichts.
Der Bürger dinierte weiter bei McDonalds, bei BurgerKing, schlürfte nach wie vor seinen Kaffee bei Starbucks.
Aber gegen Russland, da sanktioniert der Westen weiter und weiter, auf Teufel komm raus. Ohne jede Rücksicht.
 
 
 
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